Fairtrade und Sport gelten auf den ersten Blick als Bereiche mit wenigen Berührungspunkten. Im Rahmen der Rezertifizierung der Stadt Fulda zur „Fairtrade-Stadt“ im vergangenen Jahr wurde dieser Zusammenhang jedoch innerhalb der Arbeitsgruppe „Faires Fulda“ des Agendabüros thematisiert. Nun ist daraus ein konkretes Projekt entstanden: Bürgermeister Dag Wehner übergab in seiner Funktion als Sportdezernent 100 Bälle an Sportvereine der Region, die aus fairer Produktion stammen. Federführend organisiert wurde die Aktion vom Umweltzentrum Fulda.
Nach Angaben der Initiatoren bestehen bei der Herstellung von Sportbällen häufig Defizite in Bezug auf Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz. Rund 75 Prozent aller Fußbälle weltweit werden demnach in Pakistan produziert, vielfach unter problematischen Bedingungen. „Wir haben das als Stadt zum Anlass genommen, gemeinsam mit der Sparkasse Fulda als Sponsor einen Ball ins Rollen zu bringen, der das Augenmerk auf die Möglichkeiten richtet, wie auch Vereine hier einen Beitrag zum fairen Handel mit Sportgeräten leisten können“, sagte Wehner. Die 100 fair produzierten Bälle wurden über die Firma Bad Boyz Ballfabrik beschafft, die nach eigenen Angaben mit Fairtrade-zertifizierten Herstellern in Pakistan zusammenarbeitet.
Sportvereine aus der Region konnten sich für einen „Fairen Ball“ bewerben. Die Übergabe erfolgte kürzlich im Vereinsheim des FSV Germania Fulda, verbunden mit Informationsmaterialien zum Thema Fairtrade. „Diese Bälle stehen nicht nur für sportliche Aktivität, sondern auch für Verantwortung und globale Solidarität“, so Wehner weiter.
Als zentrale Unterschiede zu konventionellen Produkten nannten die Beteiligten insbesondere bessere Arbeitsbedingungen, Sozialleistungen sowie eine angemessene Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Die Stadt Fulda trägt seit dem 9. November 2018 den Titel „Fairtrade Town“ und verfolgt das Ziel, den fairen Handel auf kommunaler Ebene zu stärken sowie Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft stärker zu vernetzen.
Die Gesamtkosten in Höhe von 4000 Euro wurden von der Stadt Fulda und der Sparkasse getragen. Der Sportkreis Fulda-Hünfeld unterstützte die organisatorische Umsetzung, auch der Sportverband Fulda war beteiligt. Dessen Vorsitzender Harald Piaskowski begrüßte die Initiative und bezeichnete sie als wichtigen Impuls für die Vereine.
Rieke Trittin aus der Geschäftsführung des Umweltzentrums betonte die Bedeutung einer breiten Beteiligung: „Der faire Handel lebt davon, dass immer mehr Menschen mitmachen.“ Vereine könnten beispielsweise durch die Anschaffung fair produzierter Bälle, den Ausschank zertifizierter Produkte bei Veranstaltungen oder den Kauf von Textilien aus zertifizierter Baumwolle einen Beitrag leisten. Der Sport verbinde Menschen über Generationen, Kulturen und Grenzen hinweg und könne daher als Botschafter für Werte wie Fairness, Respekt und Verantwortung dienen. „Wenn diese Werte nicht nur auf dem Spielfeld gelten, sondern auch bei der Herstellung der Sportartikel berücksichtigt werden, dann wird Fairness wirklich ganzheitlich gedacht“, so Trittin.
Das Treffen der Vereinsvertreter diente zudem dem Austausch und der Vernetzung. Bürgermeister und Umweltzentrum dankten dem FSV Germania Fulda für die Bereitstellung der Räumlichkeiten. Auf besonderes Interesse stieß ein „Themenkoffer Fußball“, der unter anderem Original-Nähwerkzeuge aus der pakistanischen Stadt Sialkot, Bestandteile eines Balles sowie Informationsmaterial zur Produktion enthielt. Dabei wurde deutlich, dass die Herstellung vieler Fußbälle weiterhin in erheblichem Umfang in Handarbeit erfolgt. +++

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