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Zäher Winter in Mitteleuropa - Fluchtpunkt Süden?

Offenbach (fdi) - Keine Frage, der Winter 2009/10 ist zäh und lang, manch einer würde ihn sogar als impertinent bezeichnen, obwohl das bei atmosphärisch-natürlichen Prozessen sicherlich nicht das treffende Attribut ist. Wie auch immer, schaut man sich die aktuelle Ausgangslage sowie die Prognose der nächsten Tage an, so bleibt Frühling - bezogen auf Deutschland - weiterhin ein Fremdwort. Grund genug also, sich mal in der näheren und auch etwas weiter entfernten Nachbarschaft umzuschauen, ob man dort auf der Suche nach dem Frühling vielleicht fündig wird.

 
Symbolfoto
© fdi - Norbert Hettler

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Geht man einmal nach dem Ausschlussverfahren vor, so braucht man nicht besonders viel meteorologisches Know-how und Fantasie, um sich vorzustellen, dass eine Reise in nördliche und östliche Gefilde wenig Sinn macht, es sei denn, der hiesige Winter reicht einem noch nicht aus oder man möchte sich richtig die "Kante" geben. Letzteres gelingt derzeit sehr gut an der norwegischen Westküste incl. der angrenzenden Gebirge, wo mit ordentlich Schmackes feuchtkalte Atlantikluft herangepustet wird, die dann bei reichlich Wind für teils kräftige Schnee- und Regenfälle sorgt - wirklich unwirtlich und wahrlich kein Vergnügen für Lenzenliebhaber.

Richten wir den Blick nach Westen gen Frankreich, Großbritannien und Irland, so wird uns auch nicht gerade warm ums Herz. Immerhin, vor allem Großbritannien und Irland profitieren schon seit Tagen von dem Hoch ISIDOR, das für viel Sonne und trockene Verhältnisse sorgt, bei allerdings sehr überschaubaren Temperaturen meist unter der 10-Grad-Marke. In den nächsten Tagen wird es auch dort allmählich wechselhafter, aber keinesfalls mild. Frankreich trifft es zum Teil noch härter als Deutschland, wobei es Anfang der Woche im nicht gerade wintererprobten Süden regionsweise kräftig geschneit hat. Und auch thermisch betrachtet liegt die Grande Nation auf einer Wellenlänge mit uns, am Dienstag wurde im ganzen Land nirgendwo die 10-Grad-Marke überschritten. Nähern wir uns auf der Frühlingssuche dem südwestlichen Teil Europas, wo wir wenigstens partiell fündig werden. Allerdings hat zu Wochenbeginn auch dort in einigen Gebieten (Nordosten Spaniens) der Winter eine nachhaltige Duftmarke gesetzt, wie man den Nachrichten entnehmen konnte. Nichtsdestotrotz, am Dienstag brachte es die Sonne vor allem im Westen und Süden der Iberischen Halbinsel auf 10 bis 15 Grad, was aber noch reichlich Spielraum nach oben lässt. Gleiches gilt für die Balearen, wo die Höchstwerte um 10, die Tiefstwerte um 3 Grad lagen. Dann schon eher die Kanaren, wo es am Dienstag fast überall wärmer als 20, lokal sogar über 25 Grad warm war - geht doch.

Orientieren wir uns in mediterranen Breiten etwas nach Osten, so stoßen wir auf,- nein, nicht den Frühling, wir stoßen auf das Tief ANDREA, ein wahres "Prachtexemplar" seiner Zunft. Dieses Tief sorgt von den Alpen bis nach Nordafrika, vom westlichen Mittelmeer bis zur Balkanhalbinsel für alles, wirklich alles andere als Frühling. Sturm, teils kräftige Regen- und Schneefälle, Gewitter, magere Temperaturen weisen zwar ein hohes Maß an meteorologischer Brisanz auf, atmosphärische Bedingungen zum Erholen sehen allerdings anders aus.

Vielleicht etwa so, wie man sie antrifft, wenn man sich noch etwas weiter nach Osten zum östlichen Mittelmeer begibt. In Griechenland und der westlichen Türkei ist es zwar noch nicht so prall (unter 20 Grad, im Norden sogar unter 10 Grad, zudem ab Mittwoch von Westen her Regen-, im Bergland teils Schneefälle), Richtung Zypern, östliche Türkei, Naher Osten und Ägypten wird uns aber demonstriert, dass es irgendwo in halbwegs erreichbaren Gegenden doch noch Warm- bzw. Heißluft gibt. So stieg das Thermometer in Teilen Ägyptens, auf der Sinai-Halbinsel und in Jordanien am Dienstag auf über 30 Grad, mit Südwind stellenweise sogar auf Werte zwischen 35 und 40 Grad. In den nächsten Tagen bleibt es dort bei reichlich Sonnenschein so heiß. Wer also mal das Feeling "vom Gefrierschrank direkt in den Grill" erleben möchte, braucht nur nach Ägypten jetten - die nötige Zeit und das nötige Geld vorausgesetzt, meinte Dipl.-Met. Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst. +++

10-03-2010, 13:01:00 | fdi/ots/dts

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