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Immer mehr Kaiserschnitt-Entbindungen in Hessen

Frankfurt am Main (fdi) - Der Anteil der Kaiserschnittentbindungen an allen Entbindungen im Krankenhaus ist in Hessen auch im Jahr 2008 wieder angestiegen. Von insgesamt rund 50.021 Frauen, die 2008 im Krankenhaus entbunden haben, wurde bei 34 Prozent (17.003 Frauen) ein Kaiserschnitt durchgeführt. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 31 Prozent und vor zehn Jahren sogar bei lediglich 24 Prozent der Entbindungen. Das teilen die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen und der Landesverband der Hessischen Hebammen mit.

 
Symbolfoto
© fdi - se

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Die Kaiserschnittrate liegt heute bundesweit bei 29 Prozent aller Geburten. Damit werden in Hessen mehr Kaiserschnitte durchgeführt als im Bundesgebiet. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation überwiegen die medizinischen Vorteile eines Kaiserschnittes nur bei etwa jeder zehnten bis 15. Geburt. Gemeinsam mit dem Landesverband der hessischen Hebammen möchte die TK in Hessen dem Trend nach einer Kaiserschnittgeburt etwas entgegensetzen und startet eine Reihe von Informationsveranstaltungen für Hebammen und interessierte Angehörige anderer medizinische Berufe in Hessen. In Fulda, Darmstadt, Kassel und Wetzlar finden zwischen März und August 2010 vier ganztägige Veranstaltungen statt.

Als Gründe für die Zunahme der Kaiserschnittgeburten vermutet Professor Dr. Frank Louwen, Leiter des Schwerpunktes Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, neben dem steigenden Alter der Mütter und dem damit wachsenden Anteil an Risikoschwangerschaften auch den verstärkten Wunsch nach einer möglichst kurzen und schmerzarmen Geburt. Hinzu kommen Bedenken von Seiten der Ärzte. "Viele Gynäkologen lernen heute nicht mehr, ein Kind aus der Steißlage zu entbinden oder auch Zwillinge auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen", so Professor Louwen. "Doch unabhängig vom medizinischen Fortschritt bleibt der Kaiserschnitt ein operativer Eingriff, der mit erheblichen Risiken wie Blutungen, Infektionen und Verletzungen verbunden ist."

Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden werden, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen, und zwar selbst dann, wenn der Kaiserschnitt nahe am errechneten Geburtstermin liegt. Neugeborene haben beispielsweise ein höheres Risiko für teilweise schwere Atemnot direkt nach der Geburt. Je früher ein Baby zur Welt kommt, desto eher treten diese Atemprobleme auf. Zudem steigert ein Kaiserschnitt das spätere Asthmarisiko des Kindes. "Ein Kaiserschnitt kann den Schwangeren nicht als ein für das Kind komplikationsloser oder gar schonender Eingriff empfohlen werden", so Professor Louwen. "Der Wunsch der Schwangeren, einen Kaiserschnitt durchführen zu lassen, ist in nahezu allen Fällen Resultat falscher oder unzureichender Aufklärung. Ihm leichtfertig nachzugeben ist meist vernachlässigte Pflicht."

An diesem Punkt setzt die Veranstaltungsreihe der TK und des Landesverbandes der Hessischen Hebammen an. "Schwangerschaft, Geburt und Familienentwicklung sind vitale, normale, gesunde und soziale Lebensprozesse. Wir vertreten den Standpunkt, dass insbesondere die Förderung der normalen Geburt kurz- und langfristig positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen und deren Familien hat", sagt Gabriele Kopp, zweite Landesvorsitzende des hessischen Hebammenverbandes. "Hebammen sind wichtige Ansprechpartnerinnen für die Familien und können werdenden Müttern schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft gezielt praktische Informationen und Hilfestellung bei Unsicherheiten in der Phase vor der Geburt eines Kindes geben."

"Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit sind biographische Situationen, in denen Hebammen eine bedeutende, stärkende Rolle für die Frauen spielen", ergänzt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. "Die Geburt so zu gestalten und zu begleiten, dass Frauen auf diese Lebensphase gestärkt und zufrieden zurückschauen, wirkt sich positiv auf das körperliche und seelische Wohlbefinden der Frau aus und ist auch förderlich für die Stillrate und die Mutter-Kind-Bindung." Ebenso scheint es einen Zusammenhang zwischen der Qualität des Geburtserlebnisses einer Frau und dem weiteren Kinderwunsch zu geben: Frauen mit einem negativen ersten Geburtserlebnis bekommen seltener weitere Kinder.

Alle gesetzlich krankenversicherten werdenden Mütter haben Anspruch auf ein frühzeitiges und ausführliches Beratungsgespräch mit ihrer Hebamme. In einem umfassenden Beratungsgespräch können schwangere Frauen individuelle Fragen zum Verlauf der Schwangerschaft und der bevorstehenden Geburt klären. Zudem begleitet die Hebamme Frauen und Familien mit einem Baby in den erst acht Wochen. Bei Ernährungsproblemen können sich die Mütter bis zum Ende des neunten Lebensmonats beraten lassen. Schwangere Frauen, die Interesse an einem Vorgespräch haben, können sich an eine freiberufliche Hebamme oder eine Hebammenpraxis in ihrer Nähe wenden. +++

10-03-2010, 09:59:00 | fdi/ots/dts

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