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G8-Reform: Kultusministerium hat mit umfangreichen Maßnahmepaket reagiert

Wiesbaden/Fulda (fdi) - Das hessische Schüler auch weiterhin auf dem verkürzten Weg zum Abitur (G8) nur einen Hauptschulabschluss erhalten, wenn sie bereits nach der neunten Klasse das Gymnasium verlassen, hat Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) in einem Brief an den Landeselternbeirat klargestellt. Geht es nach den Eltern, sollen G8 Schüler aber schon nach der neunten und nicht erst nach der zehnten Klasse einen Realschulabschluss erhalten. Die Forderung der Eltern wird von Grüne und SPD unterstützt.

 
Schüler - Symbolfoto

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© fdi - se
Die Grünen kritisieren, dass Kultusministerin Henzler auch nach einem Jahr Amtszeit noch nichts unternommen hat, um die von ihr versprochenen Änderungen am G8 auf den Weg zu bringen. "Die FDP hatte den Bürgerinnen und Bürgern als Teil ihres 100-Tage-Regierungsprogramms Korrekturen am G8 versprochen. Mittlerweile ist ein ganzes Jahr ins Land gegangen und passiert ist immer noch nichts, so die Grünen. Weder kam es zu einer Entschlackung der Lehrpläne noch konnte die Ministerin erreichen, dass mit Abschluss der neunten Klasse auf einem Gymnasium die mittlere Reife erworben werden kann. Und auch die für das kommende Schuljahr angekündigten Bildungsstandards wurden verschoben", kommentiert der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Mathias Wagner, einen Brief der Ministerin an den Landeselternbeirat.

Heike Habermann von SPD hat Kultusministerin Henzler und der Landesregierung Untätigkeit vorgeworfen. "In diesem Jahr werden weitere Auswirkungen der völlig vermurksten G8-Reform spürbar: Wenn im Sommer die ersten Schüler aus dem verkürzten Bildungsgang mit dem jetzigen 10. Jahrgang die Sekundarstufe I abschließen, werden sie lediglich einen Hauptschulabschluss haben – der jetzige Jahrgang 10 in G9 wird hingehen mit dem Realschulabschluss ausgestattet sein. Und die Landesregierung glänzt einmal mehr durch Untätigkeit", sagte die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Heike Habermann. Obwohl dieses Problem von Anfang an bekannt gewesen sei, habe die Landesregierung keine Lösung finden können. Stattdessen verschanze sie sich seit Jahren hinter der Kultusministerkonferenz, die zehn Schuljahre bis zum Realschulabschluss vorschreibe, so Habermann weiter. "All das wäre vermeidbar gewesen, wenn die Landesregierung auf die Experten im Schulbereich gehört und die Verkürzung des gymnasialen Bildungsgangs anders angelegt hätte: nämlich mit einer sechsjährigen Sekundarstufe I und der Möglichkeit der individuellen Verkürzung in der Oberstufe", so die SPD-Bildungspolitikerin.

Die Kultusministerin hat indessen auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz der Länder hingewiesen der zehn Jahre bis zum Realschulabschluss vorschreibe. Diese Regelung würde sich wegen der gegenseitigen Anerkennung der Abschlüsse auch nur bundesweit und einstimmig treffen. Hessen habe nach Angaben des Ministeriums schon 2004 einen Antrag auf Änderung gestellt, was aber von den anderen Ländern mit großer Mehrheit abgelehnt wurde, hieß es. Weiter habe das Kultusministerium auf die Umstellungsprobleme im Zusammenhang mit G8 in den vergangenen Jahren nicht nur mit der Überarbeitung der Lehrpläne, sondern vielmehr mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket reagiert, so ein Sprecher auf Anfrage von fuldainfo.

Neben der Überarbeitung der Lehrpläne wurden unter anderem die Klassengrößen im verkürzten gymnasialen Bildungsgang gesenkt, die Anzahl der Klassenarbeiten und Lernkontrollen reduziert und über eine Kontingentstundentafel neue Möglichkeiten bei der Stundenverteilung zwischen den Jahrgangsstufen 5 und 9 geschaffen. Hier hat die Schulkonferenz, die sich gleichberechtigt aus Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern sowie der Schulleitung zusammensetzt, enorme Mitwirkungsrechte. Die Rückmeldungen der Staatlichen Schulämter und der Schulen zeigen, dass dieses Maßnahmenpaket an den Schulen in der Fläche bereits zu einer deutlichen Entlastung geführt hat  - insbesondere die Überarbeitung der Lehrpläne, die Möglichkeiten der Kontingentstundentafel und die Ausgestaltung des Wahlunterrichtes, heißt aus dem Kultusministerium.

Weitere Entlastung wird die Einführung von Bildungsstandards bringen. Das Verfahren zur Einführung der Bildungsstandards wurde gerade verlängert, um den Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrern mehr Zeit zu geben, sich vor der verbindlichen Einführung intensiv mit den Bildungsstandards zu beschäftigen. Der Paradigmenwechsel von Lehrplänen hin zu Bildungsstandards ist so grundlegend, dass er mit Bedacht und ohne zu enge zeitliche Vorgaben eingeleitet werden sollte. Die veränderte Vorgehensweise bietet die Chance, dass sich Schulen und die Schulaufsicht umfassender in den Implementationsprozess einbringen und durch die Erfahrungsberichte aus der Schulpraxis wertvolle Hinweise auf eventuell notwendige Ansatzpunkte zur Optimierung gewonnen werden können.

Die Schulen sollen sich deshalb ab dem Schuljahr 2010/11 intensiv auf die Ablösung der Lehrpläne durch die Bildungsstandards vorbereiten. Zu diesem Zeitpunkt gehen die Standards in das offizielle Beteiligungsverfahren, haben aber ein internes und öffentliches Anhörungsverfahren - durch Vorabbeteiligung der Verbände und Veröffentlichung der Entwürfe im Internet - bereits durchlaufen, sodass sie allen Schulen bekannt sein werden. Darüber hinaus können sich Schulen selbstverständlich bereits ab dem nächsten Schuljahr 2010/2011 in der schulinternen Vorbereitung und bei der Unterrichtsplanung sowohl an den weiterhin gültigen Lehrpläne als auch an den im Internet veröffentlichten Entwürfen orientieren und diese Phase nutzen, um sich mit dem neuen Kerncurriculum - bestehend aus Standards und Inhaltsfeldern - vertraut zu machen, hieß es abschließend. +++

06-02-2010, 07:34:00 | fdi/ots/dts

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