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Free Rider in der Politik
 Berlin/Überall im Lande. Free Rider oder Freeloader, zu Deutsch Trittbrettfahrer und Schmarotzer, haben in unserer Gesellschaft Hochkonjunktur. Sie brillieren vor allem auf Kosten anderer. Ganz und gar untragbar sind solche Typen in der Politik. Als hätten sie auf dem Weg zu ihren Ämtern und Mandaten nicht schon genug Karriereschleim hinterlassen, beschäftigt sich diese Spezies von Politikern vor allem mit der Frage, wie sie in den Medien die große Show for nothing machen können. Meist handelt es sich dabei um notorische Wichtigtuer, die selbst wenig zu bieten haben: um von Umfragen geblendete "Leuten-nach-dem-Mund-Schwätzer", Augenwischer, Mitschwimmer und risikoarme Angsthasen ohne Visionen und fundierte Positionen. Früher, zu Elvis Presleys Zeiten, wurden solche Minuskeln kurz und knapp mit den Worten: "Rundschnitt, aber kein Arsch in der Hose" charakterisiert.
Spekulanten in der Stadt
 Berlin/Möllerstadt/überall. Täglich werden in Deutschland über 80 Hektar begrünter Fläche versiegelt. – Das sind etwa 116 Fußballfelder! Allein zwischen 2008 und 2011 waren das 1.182 Quadratkilometer nie und nimmer wiederkehrenden Lebens in Form von betonierter, asphaltierter und sonst wie zerstörter Erde, auf der zuvor Abermillionen Lebewesen und Pflanzen für unser Wohlergehen wichtige Dienste leisteten und mithalfen, unser Ökosystem im Gleichgewicht zu halten. Mit dieser Wahnsinnsvernichtung von Naturraum verbunden ist auch die massive Zerstörung des natürlichen Wasserhaushalts. Zudem werden Brut- oder Laichplätze von Tieren abgeschnitten und damit die genetische Verarmung vorangetrieben. – Ganz zu schweigen davon, dass auf den versiegelten Flächen unendlich viel Wärme absorbiert wird und damit unsere Städte gefährlich aufgeheizt werden.
Die beheizten Wege des Joachim Gauck
 Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck wird nicht müde, mehr Verantwortung der Politik für die kommenden Generationen anzumahnen. Null Kompromiss kennt er, wenn es um soziale Gerechtigkeit und eine lebenswerte Umwelt in Deutschland geht. Letzterer wegen hatte er bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Garten von Schloss Bellevue eine ganze „Woche der Umwelt“ gewidmet. Leidenschaftlich mischte er sich fortan zudem immer wieder in strategische Fragen der Energiewende ein.
Dreckschleudern im ganzen Land
 Berlin/Möllerstadt/Überall. Olaf Geiger vom "Anti-Dreckschleuder-Verband" (ADV) ist das umweltfeindliche Verhalten der Taxifahrer seit Langem ein Dorn im Auge. Dabei geht es ihm vor allem um die Ferkeleien, die aus den Auspuffen von 60.000 meist darumstehenden Taxis in Tausenden von Tonnen entweichen und dabei massiv die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze schädigen.
Der helle Wahnsinn
 Berlin/Überall im Land. Peter Altmaier, mit seinen nahezu fünf Zentnern ganz sicher der beleibteste Umweltminister aller Zeiten, geht beim Energieeinsparen mit gutem Beispiel voran. Meint er. Ganz locker schraubt der gegen Kälte gut gepolsterte Minister in seinem Büro schon einmal die Heizung um drei Grad runter. – Mit der Folge, dass seine bewegungsarmen, fröstelnden Mitarbeiter postwendend das Ministerbüro als "Eisschrank" betiteln und froh sind, wenn sie diesen nicht betreten müssen. Ganz abgesehen, davon, dass des Ministers persönliches Energiesparkonzept bei einer vergleichenden Energiebilanz zwischen ein paar Litern eingespartem Heizungswasser und seines gewichtsbedingten Ressourcenverbrauchs kaum eine Rolle spielen dürfte. Hingegen dürfte der politische Showeffekt für "Muttis Klügster", wie Altmaier in Berlin genannt wird, erheblich sein, worauf er es natürlich bewusst anlegt. Selbstzweifel kommen bei ihm nicht auf. Mehr noch: Er bezeichnete sich im Übermut sogar als "lebendes Beispiel für Nachhaltigkeit."
Bundesdeutsche Klo-Politik
 Berlin/Cottbus/Überall. Dem allseits bekannten Kloreporter, Karl-August Rinnsal, wurde zugetragen, dass der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer, auch "Ramses I." genannt, eine Initiative zur Neugestaltung der Toilettenanlagen in öffentlichen Gebäuden ergriffen hat. Er hatte verlauten lassen, dass er mit gutem Beispiel vorangehen wolle. So solle den Mitarbeitern in seinem Ministerium alsbald ein Vorzeigeklo analog des aus seiner Sicht vorbildlichen, videoüberwachten Bahnhofs-WCs zu Cottbus übergeben werden.
Nix mehr Kanzler … Mariechen ist schuld
 Berlin/Machteburch. Menschenkinder können Berge versetzen, Glück, Freude und Zuversicht versprühen. Politikerkinder können mehr. Vor allem, wenn sie aus hohen Ämtern ihrer Erzeuger heraus das Licht der Welt erblicken: zum Beispiel deren Image aufpolieren. Oder sie gar vor Gesichtsverlust bewahren. Das weiß natürlich auch der knuddelige Oberstratege Sigmar Gabriel (52), seines Zeichens Bundesvorsitzender der deutschen Sozialdemokraten. Auch "Siggi Pop" genannt.
Nachdem Siggi Pop nun von einer in der Notaufnahme zu Halle – er verweilte dort wegen einer dicken Backe – rein zufällig in sein Leben getretenen 35-jährigen Zahnärztin Anke Stadler aus Machteburch zum Altvater gemacht wurde, kam der auf völlig neue Gedanken. Schon als Mariechen noch in Ankes kuscheliger Mutterhöhle unbekümmert vor sich hinschlummerte, war er es leid, in den wöchentlichen Beliebtheitsskalen ständig hinter seinen beiden virtuellen Mitbewerbern um das Kanzleramt (dem "Peitschen-Peer" und Silberhaar Frank-Walter, auch als "Prickel" bekannt) zu rangieren.
Zweibeinige Einachser überrollen Deutschland
 Berlin/ Möllerstadt/ Maiersbach. Erdenbürger aufgewacht! Habt Ihr schon einmal etwas vom „Segway Human Transporter“ gehört? … Nein? … Dann wird es höchste Zeit, bevor sie euch überrollen.
Um von vornherein keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es handelt es sich beim „Segway Human Transporter“ keinesfalls um das neue Urbild eines ferngesteuerten Politikers mit implantierter „Balance-, Antriebs-, Lenk- und Verzögerungstechnik“. Vielmehr geht es hierbei um eine immer beliebter werdende „innovative einachsige Mobilitätshilfe“, wie es die ministerielle Amtssprache dem staunenden Volk näherbringen möchte. Seitens des Herstellers wird geworben mit himmlischen, schwebeähnlichen Gefühlen auf 19-Zoll-Reifen, einer 21 cm hohen Plattform bei einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Zusätzlich ist das außergewöhnliche Gefährt ausgestattet mit integriertem Wireless Info Key, Wegfahrsperre und Alarmanlage.
NSU liebt NSU
 Köln/ Berlin/ Neckarsulm. Manchmal kommt im Leben alles zusammen. Unglaubliches, Irrsinn, Zufälle oder einfach nur eine gute Nase. Der diplomierte Aktenvernichter Karl-Heinz Mehrfeld, in seinem Heimatdorf Zebach als "Schredder-Carlos" hoch geschätzt, beschäftigte sich von Kind an mit der Frage: "Wo und wie verstecke ich etwas, damit es niemand findet?". Schnell fand er heraus, dass der beste Platz der sei, wo es niemand vermuten würde. Angefangen hatte alles damit, dass sich seine Geschwister stets an den von seiner Patentante Paula mitgebrachten Süßigkeiten zu vergreifen versuchten, und er sich deshalb immer wieder gezwungen sah, neue Verstecke zu finden – schließlich wollte er nicht leer ausgehen.
Umgekehrt besaß er im Vergleich zu seinen Freunden stets recht gute Ideen, wo etwas zu finden war, wenn es gerade gesucht wurde. Seine intensive Beschäftigung mit den Motiven des Versteckens, gar dem restlosen Beiseiteschaffens von Dingen, bescherte ihm interessante Ansichten: Er hatte nämlich mit der Zeit herausbekommen, dass sich Menschen, die wichtige wie wertvolle Sachen verbergen – gar zerstören –, meist in einem gewissen Akzeptanzkrieg mit diesen befinden; manche von ihnen sogar unter dementsprechenden Identitätskrisen leiden. So beschäftigte er sich vor ein paar Jahren einmal mit der Aufklärung eines Falles, bei dem ein Mann aus dem wertvollen Pelzmantel seiner Frau das Fell büschelweise herausgerissen und dann mitsamt dem Leder im Wald vergraben hatte. Das Motiv dafür fand er am Ende heraus: der Mann war ein engagierter Tierschützer. Damit war für ihn klar, dass sich der Verstand des Menschen komplett ausschalten kann, wenn er in Konflikt mit einer persönlichen Leidenschaft gerät. In diesem Falle, das war seine Schlussfolgerung, wären die Menschen in der Lage, alles aus dem Weg zu räumen, was ihre Begeisterung für etwas im Wert mindert oder gar bedroht. Vor dem Hintergrund all dieser Erfahrungen und Erkenntnisse hatte Karl-Heinz Mehrfeld nicht nur das deutschlandweit erfolgreichste Aktenvernichtungs- und Recyclingunternehmen "RatzFatzWeg" auf dem Zebacher Berg bei Bonn auf die Beine estellt. In seiner Freizeit, manchmal in direkter Verbindung zu seinen Kunden, beschäftigte er sich zudem mit mysteriösen Fällen des Verschwindens von Akten und Dokumenten. – In der letzten Zeit gehäuft mit diesbezüglichen Unregelmäßigkeiten im politischen Lager. Um Politiker in solchen Fällen hautnah zu erleben, wie sie sich öffentlich aus gewissen Vorfällen herauszuwinden versuchen, besorgte er sich sogar einen Presseausweis.
Blaublindheit in Möllerstadt
 Berlin/ Fulda. Nachdem einhergehend mit der massiven Invasion von Blausonnenschirmen heimischer Wassersprudel-Firmen in Möllerstadt die Blaublindheit, auch Tritanopie genannt, extrem angestiegen war, haben der dortige Oberbürgermeister (OB), Ohnemichläuftnix-Gerhard, gemeinsam mit Würdewennichdürfte-Wolfgang, dortselbst Ordnungsdezernent und Bürgermeister, und deren parlamentarische Einmannmehrheitsgefolgschaft nun die Reißleine gezogen. Obwohl schon aus rein optischen Gründen heraus seit zwei Jahrzehnten überfällig, wurde nun in einer Nacht- und Nebelaktion der Beschluss gefasst, die Blausonnenschirme in die Wüste zu schicken. Als die Wassergurus Rhönsprudel und Förstina davon aus der Presse erfuhren, war es bereits zu spät. Sie fielen aus allen Wolken, wenn nicht sogar in Ohnmacht. Ihre ganze schöne blaue Welt brach mit einem Schlag zusammen.
Die Schlappmütze und der fliegende Teppich
 Berlin/Regierungsviertel. In der BöseBubenBar, gleich um die Ecke in der Marienstraße 18, treffen sich Politiker, Schriftsteller, Musiker, Jungunternehmer, Maler, Lobbyisten, Juristen und Journalisten. Aber auch Hinz und Kunz. – Arbeitende, Studenten, Leseratten, Stubenhocker und Witzbolde aller Art. Und seit vielen Jahren jeden Mittwochabend der Tontechniker Gerry (46) und der Schauspieler Dankward (59), um die Bundespolitik und ihre Darsteller zu kommentieren. Meist sitzen sie − vom Eingang aus gesehen − gleich links in der Ecke. Dort fühlen sie sich weitgehend ungestört. Selbst wenn der Liedermacher Thorsten Hild mit seinen Songs vom Leben und der Politik zum Hinhören verleitet.
Keineswegs sind Gerry und Dankward immer einer Meinung. Das führen sie meist auf ihren jeweiligen beruflichen Hintergrund zurück. Gerry, der im Deutschen Bundestag und in den Ausschüssen den Politikern die Mikrophone vor die Nase hält, ist der mehr Gutgläubigere, während Larry die Politik meist unter theatralischen Gesichtspunkten betrachtet. Auch ist er letztlich der Angriffslustigere. Beide haben sie jedoch einen Riesenspaß daran, sich in die Hirnwindungen von Politikern einzunisten, um abseits von pressewirksam gestriegelten Erklärungen die wahren Motive für deren Handeln zu ergründen. Insofern sind sie sich weitgehend einig, dass das gesprochene Wort und die Aufrichtigkeit nicht selten auseinanderklaffen.
Richi Malocher und die Spatenfraktion
 Berlin/Kempten/Überall. Bereits in der sechsten Generation geben sich die Malochers voll und ganz dem Erdboden hin. Richi Malocher, der Ururururenkel von Alois Malocher, Gründer der Firma "Malocher Erdaushub", feierte gerade sein fünfzigjähriges Arbeitsjubiläum als Ausschachter. So lange hat er sich schon in Gruben, Gräben, Kanälen und Kellern mit Ausgraben, Ausschaufeln, Ausheben, Ausstechen, Aushöhlen, Auskratzen, Ausbetten und Auswerfen, wie das Aushubgewerbe die Einzelgewerke benennt, herumgeplagt. Seitdem die Malochers einen Bagger haben, durfte er endlich auch ausbaggern. Tausende von Tonnen Erdreich hat Richie nun in seinem Leben schon bewegt. Noch heute arbeitet er mit dem von seinem Vater Eduard Malocher 1988 angeschafften 40 Tonnen schweren DEMAG-Umschlagbagger mit einem 8-Zylinder/180-PS-DEUTZ-Motor und 360° drehbarem Aufbau. Der hatte letzten Monat sein dreizehntausendstes Betriebsstundenjubiläum vollbracht. Das war für die Malochers Anlass genug, einmal ordentlich ihren Berufstand zu feiern.
Bundestag ist, wenn man trotzdem lacht
 Berlin. "Ich war nie hier!", begrüßte Sascha Krümelputzer, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, Franz Wettermacher, bevor dieser ihm einen seiner abgewetzten Thonet-S34-Bauhaus-Freischwinger-Sessel anbieten konnte. Wettermacher sollte außerdem schwören, dass er nie und nimmer bei niemandem auf der ganzen Welt auch nur die leiseste Andeutung darüber machen werde, dass er ihn in seinem Büro Unter den Linden aufgesucht und um Hilfe gebeten habe. Gegenteiliges sei nicht nur für ihn, sondern auch für Wettermacher, dem "Enfant terrible unter den bundesdeutschen Politikberatern", wie sich Krümelputzer unter Hinweis auf die Gerüchteküche des Bundestages ausdrückte, tödlich. Schon gar nicht solle er ihn zu keiner Zeit und in keinem aller möglichen Fälle mit dessen Abgeordneten Helmut Friemler von der Deutschen Freiheits-Partei DFP in Verbindung bringen. Zwar hänge an Friemler, dem er nun schon 15 Jahre am Stück diene, seine gesamte Existenz, aber augenblicklich befände er sich im unerträglichsten aller jemals in seinem Leben dagewesenen Zustände. – Obwohl er schon schlimmere Zeiten hinter sich habe: Um seine Familie ernähren zu können, habe er nach dem Studium der Politikwissenschaften fast neun Jahre lang in allen möglichen minderwertig bezahlten Jobs, beispielsweise als Taxifahrer, Regalbeschicker oder Rostschutzmittel-Anstreicher, geschuftet. Nur weil er im Deutschen Bundestag arbeite, schwimme er aber noch lange nicht im Geld, wie er betonte. Denn von dem Friemler für die Beschäftigung von Mitarbeitern zustehenden monatlichen 15.053 Euro Arbeitnehmerbrutto, erhalte er gerade mal 1.300,21 Euro. Abgesehen davon wäre die Tatsache, für einen Abgeordneten der DFP zu arbeiten, ein einziger Ritt auf den Wolken. Nie könne man sicher sein, ob die DFP, und in Folge ihre Mitarbeiter, morgen noch existierten. So schlecht sei das Auf und Ab der Wahlprognosen, auch wenn sich die Funktionäre dieser "Kleinstpartei" gerne selbst bejubelten, um von ihrem desolaten Zustand abzulenken.
Die Müllministerin von Döhren
 Hannover/Berlin. Nachdem die 48-jährige einstige Klosterschülerin und Parlamentsreporterin der "Bild"-Zeitung, Doris Schröder-Köpf, endlich ihren Kopf durchgesetzt hatte und als SPD-Direktkandidatin für die Niedersachsen-Wahl 2013 im Wahlkreis Hannover-Döhren nominiert wurde, ging es für sie erst richtig los. Einmal abgesehen davon, dass sie auf dem nächsten Landesparteitag auch für eine Absicherung auf der Landesliste kämpfen will, muss sie es nun in neun Monaten geschafft haben, ihren Gerhard, Ex-Bundeskanzler Schröder und derzeitigen russischen Pipeline-Kontrolleur, mit seiner neuen Rolle als Hausfrau vertraut zu machen. "Nix mehr, in Moskau mit Wladimir Wodka schlürfen, im dicken Sessel von Gazprom in Berlin herumsitzen und Zigarre qualmen, der Kinder zuliebe wird sodann daheim geblieben!", hatte sie ihm schon mehrfach angekündigt, wenn sie in die Politik einsteigen würde. "Natürlich, meine Allerliebste", hatte Gerhard daraufhin stets bekräftigt. "Das will ich gerne über mich ergehen lassen, wenn Du im festen Glauben bist, Dich auf diese Weise aus unserer familiären Einöde emanzipieren zu können."
Möllerstadt hat angerichtet
 Fulda/Berlin. Als sie ihr Amt antrat, war die Leiterin des Ordnungsamtes von Möllerstadt, weithin auch als "Alleshalbsoschlimm-Ulrike" bekannt, noch bestrebt, sich mit allen Mitteln dem vorauseilenden Ruf ihres Amtes als UNORDUNGSAMT entgegenzustellen. Um ihren Job nicht zu verlieren, musste sie jedoch sehr bald widerstandslos hinnehmen, wie ihr die inzwischen auf eine Ein-Mann-Mehrheit geschrumpfte Stadtregierung der Christlichen Barock-Partei permanent ins Genick drosch, wenn sie gegen schlechte Sitten und Vandalismus in der Stadt vorzugehen beabsichtigte. Schließlich war es das Hauptziel der regierenden Stadtpolitiker, die angeblich mehr Unordnung als Ordnung liebenden Bürgerinnen und Bürger nicht dauerhaft gegen den Kopf zu stoßen, wollten Sie auch die nächsten Wahlen ungerupft überstehen.
Politik macht Zeitung – Zeitung macht Profit
 Möllerstadt/Berlin. Hans Glauber saß entspannt auf seiner samtenen, olivgrünen Chaiselongue in Berlin Mitte, als Christian Wulff im Fernsehen nach heftigsten Angriffen gegen seine Person eine persönliche Erklärung abgab. Mit bübischem Augenaufschlag und zurückhaltendem Ton sagte der: "Ich weiß und finde es richtig, dass die Presse- und Informationsfreiheit ein hohes Gut ist in unserer freiheitlichen Gesellschaft. Das bedeutet gerade für Amtsträger, jederzeit die Wahrnehmung ihrer Aufgaben vor der Öffentlichkeit zu erläutern. …"
Unweigerlich stachen dabei dem Journalisten Glauber seine unzähligen Friede-Freude-Eierkuchen-Fotos vom Bundespräsidenten mit dem Chefredakteur der Bildzeitung ins Auge. Es fehlte ihm einfach der Glaube daran, dass der höchste Mann im Staate gerade seine, Glaubers, Überzeugung zum Ausdruck gebracht hatte. Jedenfalls Leidenschaft vermochte er hinter dessen Worten nicht zu erkennen. Wenn er von "Abhängigkeit" anstatt von "Freiheit" gesprochen hätte, ja, dann hätte er ihm vielleicht geglaubt. Kritische, offene Gesichtsausdrücke von Wulff und Dieckmann suchte er in seinem Archiv vergebens. Wort und Tat standen nicht nur bei den beiden im Widerspruch, da war er sich sicher, ganz besonders seitdem sich Wulff und Diekmann wie die Kesselflicker bekriegten. Trotzdem war er froh, dass dieser Satz über die Lippen des Staatsoberhauptes kam. Wenn dem auch noch Taten folgten. Fast hätte er angesichts der sich in letzter Zeit häufenden Vorgänge in und um die Presse herum stark an seinem Berufsethos gezweifelt.
Wulff: ''Ich bin das Volk!''
 Berlin. Nachdem am Mittwoch das vom Bundespräsidenten mit ARD und ZDF angezettelte Interview in nahezu jeder Hinsicht in die Hose gegangen war, wusste Christian Wulff, dass er von der deutschen Presse nichts mehr zu erwarten hatte. Wenn er nicht immer wieder so halsstarrig erklärt hätte, dass er auf seinem Sessel kleben bleiben wolle, wäre er hernach am liebsten, wenn er nur an sich gedacht hätte, zurückgetreten. So sehr hatten das Interview und die Schwitzkästen der letzten Tage an seiner Substanz gezehrt. Um jedoch nicht eines Tages als Waschlappen in seinem von Egon Geerkens aufgeschwätzten, langweiligen und kreditüberfluteten Hannoveraner Einfamilienhaus zu enden, hatte er eine totale Kehrtwende seiner selbst unter weitgehender Ausschaltung der ihn inzwischen ankotzenden Pressefuzzies beschlossen. Da er sich – wie die deutsche Politik insgesamt – in den Pranken von Meinungsumfragen aller Art verfangen hatte, war ihm schnell klar, dass er nur durch eine spektakuläre Aktion, an die niemand jemals denken würde, die Umfragewerte wieder zu seinen Gunsten werde wenden können. Deshalb hatte er in Absprache mit seiner über alles geliebten Bettina Hals über Kopf entschieden, leibhaftig vor das deutsche Volk zu treten – und zwar so, wie ihn Gott geschaffen hat: splitterfasernackt.
Auf den Hund gekommen
 Berlin/Möllerstadt. Als im Jahre 1961 das legendäre, von mir über alles geliebte Café Hesse auf dem einstigen Prachtboulevard von Fulda der Commerzbank zum Fraß hingeworfen wurde, bin ich aus Protest nach Berlin gezogen. Seitdem hatte ich mich nie mehr in meiner Heimatstadt, dem heutigen Möllerstadt, blicken lassen. Es gelang mir zudem immer wieder, mich mit allen möglichen Ausreden zu weigern, von meiner Agentur nach dorthin abgesandt zu werden. Diesmal jedoch hatte ich mich von meinem Ressortchef in die Knie zwingen lassen, weil dieser mit der ernsthaften Gefährdung meiner beruflichen Existenz gedroht hatte. Er hatte darauf bestanden, einen ortskundigen Redakteur in die Rhöner Metropole zu entsenden. Hintergrund war eine als hochgradig "bahnbrechend" deklarierte Pressekonferenz der dortigen weithin bekannten und preisgekrönten Stadtbaurätin, genannt Lassiedochlabern-Conny. Es sollte um die Enthüllung von zwei einzigartigen, "weltbewegenden Barockhunden" auf dem Universitätsplatz von Möllerstadt gehen. Sie seien, so stand geschrieben, der "letzte Schliff" des direkt an der alten Universität gelegenen, neu gestalteten Platzes und deshalb von "überragendem architektonischen Gewicht". Damit wolle sie ihrerseits in aller Öffentlichkeit dem städteplanerisch überaus erfolgreichen Jahr 2011 einen krönenden Ausklang verleihen. Aus diesem Grunde sei auch den Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit gegeben worden, sich am letzten Tag des alten Jahres rege an der Enthüllung der Möllerstädter Barockhunde zu beteiligen. Die Presse könne "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einer durch und durch prickelnden Veranstaltung" ausgehen.
Möllerstadt entdeckt die Sonne
 Möllerstadt/Durbon. Kaum zu glauben. Möllerstadt hat ausgeschlafen. Nachdem unsere große eine Welt bereits schnaufend auf dem Rücken liegt, nur weil uns Jahrzehnte lang eingetrichtert wurde, der liebe Gott hätte die Sonne lediglich zum Bräunen unserer frei liegenden Hautfetzen erfunden, entdeckt die ehrwürdig bischöfliche Metropole, Vorort des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön, plötzlich und unerwartet die Sonne – die altehrwürdige Gaststätte ZUR SONNE; heute eine der vielen Kultkneipen in der Stadt. Kult für was und wen, weiß niemand so genau. Jedoch, so tuschelt man, die SONNE sei ein unwahrscheinlich aufregendes Paradies für Jung und Alt.
Gegen den Untergang der SONNE, und dafür, dass der Wirt, Möllerstädter "Sonnemann" genannt, auch nach Aufkauf der SONNE durch seinen Nachbarn, den weithin bekannten Dollhirsch-Willi, die Kneipe weiterführen darf, wurde nun unter dem Motto "Rettet die SONNE" mithilfe von Facebook demonstriert – ausgerechnet zeitgleich und damit ausgesprochen pietätlos, als in Durbon Vertreter von 195 Ländern dieser Erde mit Schweißperlen im Antlitz an ihren Stühlen klebten, um noch in letzter Minute zu erreichen, dass wenigstens noch ein paar der uns nachfolgenden Generationen den morgendlichen Aufgang der Sonne miterleben können – oder besser gesagt nicht von dieser verbrannt werden. Sollte sich nämlich nicht grundsätzlich etwas an unserem Verhalten zu unserem Planten ändern, so können wir uns laut der Internationalen Energieagentur bis zum Ende des Jahrhunderts auf einen Temperaturanstieg von bis zu sechs Grad Celsius gefasst machen; mit allen Folgen für Klima und Mensch, bis hin zum Absaufen ganzer Landstriche.
Hurra – die Bürgergesellschaft ist da!
 Stuttgart/Berlin. Mein lieber Kretsche. Glaube mir, es fällt mir nicht leicht, Dich in aller Öffentlichkeit anzumachen. Dafür hatte unser früheres Leben viel zu viel Berührungspunkte: auf dem Dorf aufgewachsen sind wir, gut katholisch erzogen wurden wir, im Schützenverein waren wir und Pfarrer werden sollten wir. Stattdessen hatte uns die "68er-Bewegung" mit Haut und Haaren aufgesogen. Wir wurden "Vorsitzende" von Allgemeinen Studentenausschüssen (AStA). Du in Hohenheim; ich in Frankfurt. Und schließlich waren wir eine kurze Zeit lang Lehrer. Du auf dem Gymnasium und ich, auf Umwegen über den zweiten Bildungsweg, in der Berufsschule. Dass Du dort landetest und ich da, hatte wohl etwas mit unseren familiären Lebenserfahrungen im Spektrum von Kopf und Hand zu tun. Dein Vater war Lehrer, meiner Bäcker, später Eisenbahner bei der Deutschen Bundesbahn, mit der Du Dich in Stuttgart nun schon eine Weile herumschlägst – erst als Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, jetzt in Deiner Funktion als Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg.
Weltneuheit - Die Knochenschwundbekämpfungstreppe von Möllerstadt
 Möllerstadt/Berlin. Am 9. November 2011 um 20.53 Uhr betrug die Staatsverschuldung in Deutschland 2.022.461.861.185 Euro und damit die Schulden pro Kopf, vom Neugeborenen bis zu unserem 108 Jahre alt werdenden JOPIE, sagenhafte 24.755 Euro. Zuwachs pro Sekunde: 1.556 Euro.
"Staatsverschuldung hin oder her, die ist weit weg von Möllerstadt", sagte sich der ansonsten von jedem Cent geblendete Oberbürgermeister, Ohnemichläuftnix-Gerhard, und gab mit seiner Magistratsmehrheit den Bau einer Zugangstreppe vom barocken Schlosspark zum privaten Unternehmen LEBENSNUTZ, Händler für allerhand Firlefanz, wie die barrierefreie Sicht in den Himmel, für nahezu 100.000 Euro in Auftrag. Dieser läppische Betrag für eine Schlossgartentreppe sei, so sagte er, gemessen an der Gesamtverschuldung des Staates nicht einmal das Schwarze unterm Fingernagel, wenn man bedenke, dass man dafür weit über 20 Millionen Treppen dieser Art bauen könne.
Die große Luftnummer
 Berlin/Fulda. Der Bundestagsabgeordnete Adolf Zobel von der Freien Unternehmer Partei Deutschlands, FUPD, ist ein Leckermaul. Er ist bekannt für seine Leidenschaft für Nimm 2 Lollys. Schließlich lutscht der kaloriengewichtige, Hornbrille und Glatze tragende, allweg mit feinem Zwirn umgebene Sechziger ständig an einem solchen herum, genau wie sein Vorbild Kojak. Immer wenn er im Parlament für seine Fraktion das Wort ergreifen darf, meist dann, wenn seine Fraktionskollegen lieber in ihren Stuben hocken oder mal richtig ausschlafen wollen, freut er sich wie ein König. Hernach genehmigt er sich als Belohnung stets einen Lolli. Wenn er aber von der Opposition wegen seiner bekannten lobbyistischen Rhetorik über alle Maßen gereizt und ausgepfiffen wird, vertilgt er gleich zwei, manchmal sogar drei Tüten Nimm 2 Lolly in kürzester Zeit und geht dabei mit dem jeweiligen Grad der Verärgerung von der Lutsch- in die Kauposition über.
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